Basilika Weingarten
Das Ende eines Altars?
Trauerspiel in 5 Akten und einem Finale
Es wirken mit: Ein Pfarrer, ein Gemeinderat, ein Kirchenvolk
Frühjahr 2026: Der lange Wunsch des Pfarrers nach Veränderungen an der barocken Basilika, seiner Kirche (- real gehört sie mit allen Altären dem Land -) soll in Erfüllung gehen. Er will den Innenraum neu erfinden, als letzter Baumeister nach Beer und Frisoni in die Baugeschichte eingehen
Rückblick. Die intakten Sitzbänke der Seitenschiffe wurden bereits herausgerissen. An ihre Stelle sollten schlichte Quader treten, ein Brett hoch, eines quer, eines runter. 50 solche neuen Quader ohne Lehne a 1.000 €. Man gönnt sich ja sonst nichts. Man hätte natürlich auch tausend Kinder in Not medizinisch betreuen können, aber was solls, die intakten Bänke mussten einfach mal raus.
März 2026: Das Kirchenrecht wird gebrochen. Alles, was die Gesetze verlangten, wurde missachtet. Die Ankündigung der Sitzung und deren Öffentlichkeit, auch die Zusammensetzung der Teilnehmer.
Freitag, der 13.: Zufall oder Absicht? An diesem 13.3.26 fand sie statt, die geheime Sitzung, in der nach kirchlichem Recht kein gültiger Beschluss hätte gefasst werden können. Genial: Man holte als Moderator einen Mann des Ordinariats hinzu, das konnte für eine spätere aufsichtsrechtliche Prüfung durch das Ordinariat nur hilfreich sein. Und dann wurde er gefasst, der ominöse Beschluss zum Abbruch des kunstmarmornen Altars im Zentrum der Basilika und zur Neuerrichtung eines Quaders in weiß oder grau. Ohne, dass es damals überhaupt einen Haushalt gegeben hat. Für 150.000 €. Kirchensteuer der Christen dieses Landes. Später informiert der Pfarrer mit einer Pressmitteilung.
Mai/Juli 2026: Die Rechtsaufsicht im bischöflichen Ordinariat entscheidet sich mit Billigung des Bischofs zum schlichten Wegsehen. Zum Übersehen, dass die Öffentlichkeit vorgeschrieben war. Dass die Ankündigung fehlte. Dass die Gemeindeordnung Beschlüsse in solchen Sitzungen ausdrücklich verbietet. Wäre ja auch peinlich gewesen, nachdem der Pfarrer ein selbst mit Aufsichtsaufgaben betrauter Dekan ist, an jenem 13. sogar noch aus Rottenburg unterstützt wurde.
Nun fehlt nur noch das Finale. Die Akteure haben es noch in der Hand, einen tragischen oder einen offenen Ausgang zu wählen:
Tragödie: Augen zu und durch. Legal oder illegal ist doch egal. In wenigen Stunden wird der Kleinbagger oder der Bohrmeißel den Altar zertrümmert haben, und wenn man dann den neuen Quader neben den Priesterhockern sieht, wird das Wehklagen einiger Petenten im Jubelchor des vom Pfarrer dirigierten Gemeinderats untergehen:
1. Großer Schm… wir loben dich,
Herr, wir preisen deine Stärke .
Vor dir neigt St. Martin sich
und bewundert deine Werke.
Wie du warst vor aller Zeit,
so bleibst du in Ewigkeit.
2. Alles, was dich preisen kann,
Kerubim und Serafinen
stimmen dir ein Loblied an,
alle Engel, die dir dienen,
rufen dir stets ohne Ruh
"Weg mit dem Tisch des Mahles" zu.
Komödie: Neue Beschlussfassung, Beachtung aller Gesetze, vielleicht eine geheime Abstimmung der Gemeindemitglieder als Beratungshilfe, sorgfältige Abwägung, ob das Endprodukt 150.000 € Mehrwert gegenüber dem Istzustand besitzt und ob alle wichtigeren Aufgaben schon erledigt sind.
Als Schlusschor, nach Bekanntgabe der Abstimmung im Rat, bewegt sich alternativ eine Gruppe Blutreiter mit barocken Standarten auf den erhaltenen Altar zu bzw. ein Kleinbagger vom Trümmerfeld des Altars weg über die Bühne:
Im Frieden dein, oh mein Dekan,
lass ziehn mich meine Straßen.
Wie mir dein Mund gegeben kund,
ehrst Recht du ohne Maßen,
hast deinem Volk im Kuppellicht
den Blutaltar belassen
Alternativ:
… hat nun dein Volk im Kuppellicht
den Blutaltar zerschlagen.